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Peter Rossberger II. - 1891 - 1963

Peter Rossberger II

1891 wird Peter Rossberger II. in Kempten geboren. Sein Leben wird eine Legende, sein Beiname "der Lodenpeter" ist heute noch landauf-landab ein Begriff und viele Geschichten werden über ihn erzählt.

Nach den üblichen Auseinandersetzungen mit dem Elternhaus geht er nach Dresden, wo er 1913 seine Meisterprüfung mit Auszeichnung an der Schneiderakademie ablegt.

Der elterliche Betrieb ist mächtig zu dieser Zeit. Aus dieser geschichtlichen Perspektive wird das Generationenproblem vielleicht verständlich. Wie dem auch sei - noch 1913 kommt er von Dresden zurück nach Kempten und heiratet Auguste, auch Gusti genannt, von der Gaststätte "Rosengärtle".

Der Lodenpeter ist somit Gastwirt und Schneider zugleich. 1915 wird sein Sohn, Peter Rossberger III, in Kempten geboren. Doch das junge Eheglück währt nicht allzulange; noch im selben Jahr wird er zum Militär eingezogen. Der Erste Weltkrieg tobt. An der Front wird er gleich in den ersten Tagen schwer durch einen Halsschuß verwundet. Durch die Wirren des Krieges wird er fälschlicherweise für tot erklärt und seine Frau Auguste erhält die Todesmitteilung mit amtlicher Urkunde. In Wahrheit lebt er während der Dauer des Krieges in verschiedenen Lazaretten und in Gefangenschaft. Man kann sich den Trubel und die Euphorie sicherlich vorstellen, als der Totgesagte 1919 in Kempten ankommt.

Jetzt erst fängt sein Leben richtig an. Die Todesurkunde ziert dick eingerahmt eine Wand im Rosengärtle und der Bierkonsum steigt, wenn Peter Rossberger II. zu erzählen beginnt. Er kann hervorragend Gedichte rezitieren, spielt Zitter, Gitarre und Hackbrett und ist der geborene Alleinunterhalter. Das Rosengärtle hat damals den höchsten Bierumsatz der ganzen Stadt.

Allerdings hat Peter Rossberger sein Talent auf seinen Reisen in Süddeutschland ausgenutzt. Er macht den Namen Rossberger erst so richtig bekannt. Bis 1930 besucht er seine Kunden mit dem Zug oder mit dem Fahrrad, nach 1930 besitzt er schon ein Auto: einen grünen BMW-DIXIE mit einer großen gelben Aufschrift: DER LODENPETER. Sein Markenzeichen ist eine große, weite Pellerine, ein Jagdhut mit Gamsbart und ein überdimensionaler Kaiser-Franz-Josef-Bart. Überall hat er seine Zither dabei, die Wirtschaften sind voll.

Es ist eine Blütezeit. Er hat große Erfolge als Reisender und verkauft in Bayern und Baden-Württemberg tausende von Lodenmänteln und Maßanzügen. 180 Arbeiter sind in der Firma beschäftigt. So geht es bis 1939 der Zweite Weltkrieg beginnt.

Zum zweiten Mal wird er zum Wehrdienst eingezogen. Diesmal muß er an die russische Front, wo er wiederum verwundet wird. Er geht mit vielen tausend anderen in russische Gefangenschaft und kommt erst 1947 nach Kempten zurück. Den Rossbergers geht es nach dem Krieg nicht anders, als allen anderen: Man ist am Nullpunkt und muß wieder von vorne anfangen. Aber die Familie Rossberger hält zusammen und es finden sich neue Wege.

Bedingt durch seine Verwundung bezieht der Lodenpeter eine Kriegsrente. Auch hilft er seinem Sohn, der zwischenzeitlich die Verantwortung in der Firma übernommen hat, indem er gelegentlich noch ein paar Anzüge für gute, alte Kunden macht.

Der Tod des Lodenpeters 1963 ist mindestens so merkwürdig wie sein Leben: er stirbt bei bester Gesundheit durch eine falsch eingestellte Gasheizung.

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